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Businesscoaching mit dem Systembrett

von Michael Schimpke (Kommentare: 0)

Businesscoaching mit dem Systembrett

Heute stelle ich ein Werkzeug vor, das in meiner Arbeit unverzichtbar geworden ist: das Systembrett. Das Systembrett ist ursprünglich als Familienbrett bekannt geworden und diente in den Anfängen zur Verdeutlichung von familiären Konstellationen. Es hat sich später gezeigt, dass es kaum einen Sachverhalt gibt, der sich nicht aufstellen ließe: Konflikte am Arbeitsplatz, wichtige Entscheidungen, Marketingstrategien, komplexe Projekte in ihren Wechselwirkungen, Teamentwicklungsmaßnahmen und vieles mehr. Für das Systembrett finden sich somit zahlreiche Anwendungen im Businesscoaching.

Die Arbeit mit dem Brett galt sozusagen als "der kleine Bruder" der Aufstellungsarbeit mit Stellvertretern, wenn diese nicht zur Verfügung standen, so beispielweise im Einzelcoaching. Mittlerweile hat sich das Coaching mit dem Brett allerdings emanzipiert, es gibt einige wichtige Unterschiede zur Aufstellung von Stellvertretern und auch einige Vorteile.

Was sind die Effekte der Arbeit mit dem Systembrett?

1. Der bedeutsamste Effekt ist die Visualisierung von Personen, Hindernissen, Ressourcen und Wechselwirkungen. Für den Coach wird nach wenigen Minuten klar, worum es eigentlich geht. Würde man das gleiche Thema nur mit den traditionellen Techniken des Gesprächs beschreiben, würde man ein Vielfaches der Zeit benötigen. Hier gilt wieder einmal der Grundsatz - ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Was für den Coach als Zuhörer gilt, ist auch für den Coachee richtig: auch dieser erkennt rasch die unterschiedlichen Aspekte seines Themas und nicht nur das - Hintergründe werden transparent, die vorher noch unklar waren. Auch für den Coachee gibt es durch die Aufstellungsarbeit Momente der Erleuchtung, er bekommt im wahrsten Sinne des Wortes den Durchblick.
Coaching mit dem Systembrett versteht sich als "transverbale Arbeit". Man bekommt einen raschen Zugang zu Ebenen jenseits von rein rationalen Überlegungen. Hier gilt der Grundsatz von Lucas Derks, dem Begründer des Sozialen Panoramas "Space is the primary organizing principle in the mind." Damit ist die Entwicklung von räumlichen Vorstellungen bei Kindern gemeint. Bereits im Mutterleib entstehen Konzepte wie "oben" und "unten", lange vor der Entwicklung des Sprachvermögens. So gesehen ist es auch kein Wunder, dass man mit Aufstellungen in tiefe Schichten des Unbewussten vorstößt.

2. Es bleibt nicht bei Visualisierung von Problemen sondern es kommt auch zur Produktion von Lösungsideen. Die Arbeit mit dem Systembrett führt oft zu einem wahren Feuerwerk von neuen Sichtweisen und zur Herstellung von kraftvollen Lösungsbildern. Im anschließenden Praxistransfer werden erste Schritte zur Umsetzung der Ideen formuliert. Coachingklienten fühlen sich durch die Arbeit mit dem Systembrett gestärkt und finden wieder Zugang zu ihren Ressourcen.

3. Das Systembrett findet bei den Coachees eine hohe Akzeptanz, das gilt gerade auch für Führungskräfte. Oft fällt es leichter, mit Hilfe des Bretts Zugang zu psychologischen Themen zu finden und diese ins Bewusstsein zu bringen. Der Einsatz des Bretts ist vom Handling her unkompliziert und pragmatisch.


Was ist der Unterschied zur Arbeit mit Stellvertretern?

Die Arbeit mit Stellvertretern ist zeitaufwändiger als die Arbeit mit dem Brett. Alle Stellvertreter werden nach ihren Gefühlen befragt und beginnen oft auch Dialoge untereinander. Außerdem werden logischerweise eben diese Stellvertreter benötigt - deshalb ist die Arbeit nur in Workshops mit mehreren Personen möglich. Das Aufstellen kann für die Stellvertreter auch emotional sehr fordernd sein. Eine sorgfältige Vor- und Nachbereitung ist daher unumgänglich.
Die Arbeit mit dem Systembrett ist kürzer und weniger "invasiv". Neurologisch betrachtet werden eher die visuellen Gehirnareale angesprochen. Coachees bekommen rasch einen Gesamtüberblick und sehen das große Ganze. Charakteristisch für das Coaching mit dem Brett ist ein intensives, individuelles Brainstorming des Coachees. Viele Coachingklienten sprudeln geradezu über vor Ideen- und oft auch vor Begeisterung. Typischerweise gewinnt die Arbeit am Brett nach Aufstellung der Ausgangskonstellation an Dynamik und Tempo. Die Aufstellungsarbeit mit Stellvertretern ist dagegen oft schwerer, die Beteiligten berichten dann von intensiven Körperempfindungen, die auch noch nach dem Ende der Aufstellung anhalten können. Außerdem ist es natürlich möglich, dass die Stellvertreter ihre eigenen Projektionen mit einbringen. Themen des Coachees und der Stellvertreter können sich vermengen.
Die Arbeit mit Stellvertretern ist eher für die Thematisierung und Auflösung schwieriger Konflikte geeignet, weniger für ein Brainstorming. Natürlich sind auch Kombinationen aus der Arbeit mit dem Brett und dem Aufstellen von Stellvertretern möglich. Im Einzelsetting kann man, wenn man aufstellen möchte, auch Bodenanker, Stühle oder ähnliches verwenden.


Der Systembrett-Ansatz von Michael Schimpke

Meine Arbeit mit dem Systembrett fußt auf dem Konzept der Systemstrukturaufstellungen von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer. Mit Systemstrukturen ist gemeint, dass im engeren Sinne keine Systeme aufgestellt werden, sondern die Strukturen von Systemen. Verschiedene Systeme können bei einer Aufstellung ineinander greifen, z.B. die Systeme von Familienmitgliedern, Arbeitskollegen und inneren Anteilen.

Von Kibéd und Sparrer haben eine klare und nachvollziehbare Vorgehensweise für ihre Arbeit formuliert.

Die Systemstrukturaufstellungen sind konstruktivistisch und basieren vor allem auf folgenden Ansätzen:
- der lösungsorientierten Kurztherapie von Steve de Shazer
- der Hypnotherapie von Milton Erickson
- der familientherapeutischen Arbeit von Virginia Satir.
Dazu kommen Ideen aus weiteren Schulen der humanistischen Psychotherapien.

Der praktische Nutzen

Es hilft, rationale Überlegungen wie "ich sollte mein Zeitmanagement optimieren" auch tatsächlich sinnlich erfahrbar zu machen und umzusetzen.
Ausgangspunkt ist immer ein Anliegen des Klienten.
Die Anliegen ergeben sich typischerweise aus Fragen wie:
"Mir ist unklar, was die Geschäftsführung mit der neuen Umstrukturierung will. Wie kann ich Klarheit bekommen?"
"Ich habe die Wahl zwischen drei interessanten Jobangeboten. Was soll ich tun?"
"Seit zwei Monaten bin ich Leiter der Abteilung Marketing. Ich habe das Gefühl, dass die Mitarbeiter noch ihrem alten Chef nachtrauern. Wie muss ich auftreten, um als Führungskraft respektiert zu werden?"


Der typische Ablauf einer Aufstellung:

1. Problemaufstellung
Das Anliegen wird aufgestellt. Dazu gehören beteiligte Personen und Gruppen, Sachzwänge, Ziele, Hindernisse und, ganz wichtig, die bisher noch nicht genutzten Ressourcen.
Das ist die Ausgangssituation. Der Coach erhält zahlreiche Anhaltspunkte durch die Anordnung der Elemente, die Symbolik der gewählten Figuren, Blickrichtungen, Abstände, Kommentare des Coachees usw. Oft stehen Coachees während der Sitzung auf und betrachten das Brett aus unterschiedlichen Perspektiven.

2. Lösungsaufstellung
Der Coach stellt Fragen, wie das Problem gelöst werden könnte. Das führt oft zu einer Umgruppierung von Elementen, zum Aufstellen von neuen Figuren und zum Austausch von Spielsteinen. Generelles Ziel ist die Lösungsaufstellung.
Oft gibt es kein vollständige Lösung sondern eine erste Annäherung.
Typischerweise fühlen Klienten sich während des Prozesses erleichtert und produzieren auch konkrete Ideen für die Praxis.

3. Future Pace
Wenn ein kraftvolles Lösungsbild gefunden ist, lässt man dieses einwirken. Der Coachee gefragt, ob noch etwas fehlt. Viele Coachees machen Fotos oder Videos von der Lösungsaufstellung. Diese dienen der kognitiven Nacharbeit. Falls man noch etwas mehr machen möchte, bietet sich ein Future Pace aus dem NLP an. Man macht mit dem Coachee eine kurze Phantasiereise in die nähere Zukunft, in der die Ergebnisse der Aufstellungsarbeit umgesetzt und visualisiert werden.
Anschließend kann auch noch die Frage nach dem ersten Schritt gestellt werden.

Beispiel: Aufstellung eines Marketingprojekts

Ein Consultant überlegt, wie ihm eine Schlüsselkundin in einem Konzern weitere Kontakte ermöglichen könnte. Es geht ihm um Empfehlungsmarketing. Zu Beginn ist das Projekt noch vage und unklar, wie die Aufstellung der Ausgangssituation deutlich zeigt.

Das Bild zeigt den Consultant im Vordergrund und, von ihm durch eine Barriere getrennt, die Schlüsselkundin. Neben dem Consultant steht ein würfelförmiger Klotz, der seine Trägheit symbolisiert. Vom "Klotz" kommen Ideen wie "Warum etwas ändern? Es läuft doch alles. Bloß nicht jemanden verärgern." Der Turm im Hintergrund steht für unklare neue Kontakte und Projekte. Der blaue Skalenstein rechts neben dem Brett symbolisiert den Prozess der Klärung. Die Skala geht von null bis zehn, der Klient sieht sich selbst zur Zeit auf einer drei. Es gibt also noch "Luft nach oben".

Nach Aufstellung der Ausgangssituation und gezielten Fragen durch den Coach, kommen dem Consultant neue Ideen. Zunächst stellt er hinter sich zwei wichtige Ressourcen, als weiße Figur einen Mentor, der ihm weiterhelfen kann und eine innere Ressource, seine eigene Beharrlichkeit. Diese tritt immer dann auf den Plan, wenn ein Ziel klar, ansprechend und motivierend ist. Durch das Auftauchen der zwei Ressourcen verschwindet die Barriere, die den Consultant zuvor vermeintlich von seiner Schlüsselkundin getrennt hat. Der Turm im Hintergrund wird ersetzt durch zwei Figuren, die für konkrete Ansprechpartner stehen.

Die Trägheit wird ersetzt durch den roten Würfel, der eine vier zeigt. Dieses symbolisiert eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für den Erfolg seines Projekts. Der blaue Skalenstein rechts ist von einer drei auf eine acht vorgerückt. Das Projekt ist also sehr klar geworden, wenngleich auch noch eine Kleinigkeit fehlt.
Der Consultant sprudelt während der Aufstellung vor Ideen und formuliert einen konkreten ersten Schritt. In einer weiteren Coaching-Sitzung könnte jetzt das Gespräch mit der Schlüsselkundin trainiert werden, unterstützt von Video-Feedback.

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